Pilgerspuren

Die Via Imperii als Pilgerstraße

1. Hospitäler und Pilgerunterkünfte

Bereits im 13. Jahrhundert bildete sich mit den Kommenden der Deutschordensballei in Thüringen in Halle sowie in Altenburg, Reichenbach und Plauen eine Versorgungsstruktur heraus, die von Pilgern genutzt werden konnte. In Altenburg traten die Deutschherren damit offenbar in eine Konkurrenz zu den bereits früher hier ansässigen Augustinerchorherren, die seit 1181 über ein Hospital verfügten. Unter den Aufgaben des 1212 gegründeten Georgenhospitals zu Leipzig wird für das Jahr 1434 die Versorgung von elenden Pilgern genannt. 1497/98 errichtete die Altenburger Jakobsbruderschaft vor dem Teichtor das arme oder untere Spital mit acht Betten. Bemerkenswert ist, dass die Angehörigen selbst gepilgert sind: 1509 finanzierte die Bruderschaft eine gemeinsame Rompilgerfahrt ihres Vorstehers Simon Frenzel und des Kaplans der Jakobuskapelle, Andreas Kaiser.

Ein bis zwei Tagesreisen von Altenburg entfernt gelangten die Pilger nach Zwickau, wo die Via Imperii mit der aus Richtung Dresden und Chemnitz kommenden Frankenstraße zusammentraf. Für 1305 ist hier die Stiftung eines Hospitals vor dem Frauentor durch die Ratsherrenwitwe Kunigunde Zschakan belegt. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts führte die Einrichtung die Patrozinien der hll. Margareta und Georg. Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1508 besaß das Margaretenhospital eine „Pilgerstube” mit vier Betten. Bei Überfüllung der Herbergen haben die Leprosenhäuser in Leipzig und Zwickau nachweislich als Ausweichquartiere für Pilger gedient.

2. Pilger und Pilgerziele


Zu Jahresbeginn 1419 benutzte der Braunschweiger Bürger Hans Porner die Route über Magdeburg, Halle, Leipzig, Zwickau und Nürnberg auf seinem Weg nach Jerusalem. 1521 druckte Martin Landsberg in Leipzig eine Ausgabe des Pilgerführers von Hermann Künig von Vach. Jakobspilger, die in Leipzig das Büchlein erwarben, mussten auf der Via Imperii nach Einsiedeln ziehen, da dort Künigs Wegbeschreibung nach Santiago einsetzt.

Das bevorzugte Ziel war Rom, worüber mehrere Hinweise in den Büchern des Leipziger Rates berichten. Sie geben zugleich Einblick in eine gängige Praxis der Erbregelung vor Antritt der Reise. Am 23. Dezember 1467 wird ein Streit um das Erbe der „alten Pfauin”, die eine Romfahrt unternommen hatte, und ihrem Sohn geschlichtet. Die Pfauin war unverhofft nach Leipzig zurückgekehrt, und der Sohn mußte sein Erbteil wieder ausliefern. Am 29. Dezember 1496 bestimmte die Witwe des Leipziger Bürgers Dominicus Ungerswein 24 Gulden für eine Romfahrt, die der Verstorbene „uff sich gehabt” und „meister Hermann, der seydensticker, vorant und außgericht” hatte. Am 16. Juni 1500 erschien der Schuster Hans Ritter vor dem Rat, um das Erbteil für seine Tochter vor Antritt seiner Pilgerfahrt nach Rom zu regeln: 100 rheinische Gulden sowie die mütterliche Aussteuer sollten der Tochter zustehen für den Fall, dass „got uber yn gebiten und her aussenbleyben wurde.”

Dass eine Pilgerreise tatsächlich tödlich enden konnte, belegt ein Fall aus Monstab bei Altenburg, der zugleich ein interessantes Licht auf die Kommunikationsstrukturen zwischen den Pilgern und den Daheimgebliebenen wirft. 1507 hatte sich ein Pilger aus der Gemeinde, ausgestattet mit einem Geleitbrief seines Pfarrers Peter Wolf, auf den Weg nach Santiago gemacht, war aber nicht wieder zurückgekehrt. Schließlich brach 1512 der Küster Valentin Schumann auf, um den Vermissten zu suchen. Schumann fand das Grab des auf dem Weg Verstorbenen und brachte den Geleitbrief als Beleg wieder nach Monstab zurück. Die Santiagofahrt hat er möglicherweise stellvertretend für den Verstorbenen zu Ende geführt.

Christoph Kühn


Aus: Unterwegs im Zeichen der Muschel. Rundbrief der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft Würzburg, Nr. 52, Januar 2005, S. 13 - 14

1476 reiste Herzog Albrecht von Sachsen zu einer Wallfahrt nach Rom und Palästina, zu seinem Gefolge gehörte auch der Zwickauer Bürger Martin Römer(Bürgerrecht seit 1462), der in Jerusalem in der Kirche zum heiligen Grab zum Ritter geschlagen wurde.